erschienen am 08.01.2010

Manche Fragen, so scheint es im ersten Moment, versteht Sabrina Lemmermann nicht. Warum sie immer noch Polizistin ist? Warum sie immer noch, Tag für Tag und Nacht für Nacht, die Bösen jagt? Es ist fünf Uhr morgens, draußen ist es bitterkalt und noch stockdunkel, und die Oberkommissarin hat am Vorabend um 21 Uhr ihren Dienst im Streifenwagen angetreten. Nun sitzt sie im Polizeikommissariat (PK) 38 in der Scharbeutzer Straße in Rahlstedt, und die 40-Jährige mit den kurzen blonden Haaren sagt nach einer längeren Pause: „Natürlich haben wir hauptsächlich mit negativen Dingen zu tun, das stimmt schon. Einbruch, Diebstahl, Raub, Verwahrlosung und vor allem Gewalt. Und in meinem Bekanntenkreis heißt es auch immer: ‚Nee, ich würde deinen Job niemals machen.'“ Ja, und? „Aber das ist doch mein Beruf“, sagt sie und lächelt ein wenig hilflos.

Ihr Beruf ist derzeit wie kein anderer ins öffentliche Blickfeld gerückt. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht irgendwo in Hamburg Polizeibeamte attackiert werden. „Einen Mordversuch“, „eine schwere Straftat“, „eine Attacke auf Leib und Leben“ nannten Polizeiführer den Angriff auf das PK 16 an der Lerchenstraße Anfang Dezember, als Vermummte die Eingangstür verriegelten und dann versuchten, die Wache anzuzünden. Bei einer Fahrerflucht in Billstedt wurde im November ein junger Polizist 100 Meter mitgeschleift und schwer verletzt. Beim Schanzenfest hagelt es regelmäßig Steine und Flaschen auf die Beamten. „Ich hatte Angst um mein Leben“, sagte Hauptkommissar Björn Buck im Juni, nachdem er, von zwei Steinen getroffen, zu Boden gesackt war. Am vergangenen Wochenende wurde einem Beamten in Barmbek von einem Randalierer der Mittelhandknochen gebrochen, in Lohbrügge versetzte ein Festgenommener einem Polizisten eine Kopfnuss.

Was ist schiefgelaufen in einer Gesellschaft und in dieser Stadt, dass sich vermehrt außer Rand und Band geratene, politisch motivierte Gewalttäter, sogenannte erlebnishungrige Jugendliche und alkoholisierte Randalierer auf Menschen wie Sabrina Lemmermann stürzen? Die nicht, wie so mancher ihrer Gegner, vermummt, sondern als Mitglied der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) ganz offen über ihren Alltag redet. Was hat dazu geführt, dass der „Freund und Helfer“, die ehemalige Respektsperson in Uniform, bei so manchem zum einzigen Feindbild mutiert ist und die Hamburger Polizistin nach beinahe 20 Dienstjahren heute feststellen muss: „Auf der Polizeischule haben wir gelernt, dass die stärkste Waffe des Polizisten das Wort ist. Aber dazu kommen wir oft gar nicht mehr, weil uns sofort Aggression entgegenschlägt.“

Sabrina Lemmermann blättert in dem sogenannten Verwahrbuch auf dem Empfangstresen der Wache und tippt auf den 4. Januar. Widerstand, Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz, illegaler Waffenbesitz, Verdacht auf Raub, Bedrohung, illegaler Aufenthalt. Daneben stehen die Namen der mutmaßlichen Täter, insgesamt wurden an diesem Tag fünf Personen in Gewahrsam genommen, die dann in einer der neun Sicherheitszellen der Wache gelandet sind. Sie sagt, dass die Hemmschwelle, was Gewalt gegen Polizisten angeht, „in den letzten Jahren erheblich gesunken“ ist, und spricht von einer „gewissen Grundaggression“ in „ihrem“ Revier zwischen Berne und Meiendorf, Jenfeld und Rahlstedt, das tausend Straßen mit einigen sozialen Brennpunkten umfasst und in dem 130 000 Menschen wohnen.

Seit fünf Jahren ist Sabrina Lemmermann jetzt mit wöchentlich wechselnden Kollegen aus ihrer Schicht im Streifenwagen in Hamburgs Osten unterwegs, war vorher ein Jahr bei der Bereitschaftspolizei und im PK 16. Sie musste bei ihren Einsätzen „zum Glück“ noch nie ihre Waffe ziehen, und ihre Fälle schafften es auch bisher nicht in die Zeitungen. Aber das ist zum einen auch ganz gut so und hat zum anderen vielleicht nur etwas mit einer Haaresbreite zu tun. Was sind denn ganz typische Alltags-Fälle? „Na ja, wenn wir zum Beispiel wegen eines Familienstreits gerufen werden“, sagt sie. Weil es dort laut Anrufer „heftig zur Sache“ gehen soll, sind sie mit zwei Streifenwagen hingefahren. „Auf der Straße schlugen sich schon zwei Personen. Als wir versuchten, die Kontrahenten zu trennen, kam ein junges Mädchen dazu und griff die Polizisten an. Die war kaum zu bändigen, das war unglaublich. Schließlich haben wir sie zu zweit fixiert. Zum Glück wurde niemand ernsthaft verletzt.“ Es stellte sich heraus, dass nach reichlich Alkoholkonsum der Vater seine Lebensgefährtin geschlagen hatte, woraufhin sich der Bruder erst mal mit dem Schwager prügelte – nur von einer Strafverfolgung wollte anschließend keiner mehr etwas wissen. „Die Wut richtete sich komplett gegen uns.“ Das komme jetzt häufiger vor, dass sie um Hilfe gerufen werden und sich dann einer geschlossenen Front gegenübersehen. Was blieb, war eine Anzeige gegen die 16-Jährige wegen Widerstands.

Oder sie werden von einer Frau um Hilfe gebeten, die zu einem Nachbarn geflüchtet war, weil sie von ihrem Freund bedroht wurde. Ob der sich noch in der Wohnung befindet? Eher nicht, meinte die Freundin. „Kaum hatten wir die Tür auf, flog uns auch schon ein Tisch entgegen“, sagt Sabrina Lemmermann. Sie setzte Pfefferspray ein, wodurch auch ihr Kollege verletzt wurde, überwältigte und fesselte den Mann. Der brüllte: „Lass mich los, du Sau. Ich krieg keine Luft mehr.“ Wie oft passiert so etwas? „Jede Woche.“

Wie verarbeitet sie solche Erlebnisse? „Indem ich hinterher mit den Kollegen darüber rede“, sagt sie. „Und dann ist gut. Ich nehme nicht jeden Einsatz mit nach Hause.“ Viel mehr zu schaffen machen ihr Fälle, in denen es um Kinder geht. Ein Erwachsener könne schließlich immer noch selbst entscheiden, ob er aus dem Teufelskreis ausbrechen will. „Neulich kamen wir eher zufällig wegen einer Diebstahlsermittlung in eine Wohnung rein. Das kann sich keiner vorstellen. Die Zimmer strotzten vor Dreck, da liefen ganz viele Tiere rum, im Klo lag benutztes Toilettenpapier, im Kühlschrank verschimmelte Lebensmittel. Und im Wohnzimmer saß ein kleines Mädchen niedlich lächelnd auf einem riesigen Wäscheberg. ‚Oh, eigentlich musst du ja schon lange im Bett sein‘, sagte die Mutter schnell zu dem Kind, als sie uns sah.“

Ein Kollege von ihr war am 1. März 2005 als Erster im Brieger Weg, als in der Jenfelder Hochhauswohnung die verhungerte siebenjährige Jessica tot aufgefunden wurde. Und wenn Sabrina Lemmermann heute um Hilfe gerufen wird, weil eine 13-Jährige in ihrem Zimmer randaliert, fragt sie sich nach den Gesprächen mit allen Beteiligten, „ob nicht viel mehr die Eltern das eigentliche Problem sind“.

Sie wünscht sich manchmal, dass die Politiker viel öfter auch mal hinter die Wohnungstüren gucken würden. Und wenn sie Bürgermeister wäre? „Dann gäbe es als Erstes mehr Personal für die Polizei.“

Sie selbst schiebt auf ihrem Lebensarbeitszeitkonto etwa 160 Überstunden vor sich her, insgesamt sind bei der Polizei in Hamburg 800 000 Überstunden aufgelaufen. „Das entspricht zwischen 200 und 250 neuen Stellen“, sagt Joachim Lenders. Der DPolG-Chef wird nicht müde, mehr Personal einzufordern. „Wir sind zu wenig, und die Politik verlangt bei gleichbleibendem Personal, dass wir immer neue Aufgaben bewältigen sollen. Das ist nicht lösbar“, sagt er. Lenders plädiert wegen der zunehmenden Gewalt gegen Beamte im Alltag außerdem für eine Erhöhung der Strafandrohung von zwei auf fünf Jahre Gefängnis und verlangt von der Justiz, die Täter „deutlicher abzuurteilen“. Weil es nichts Frustrierenderes gebe als Festnahmen ohne Folgen.

Der evangelische Polizeiseelsorger Frank Rutkowsky, der die Hamburger Beamten seit zwölf Jahren begleitet, sagt, dass die große Herausforderung in diesem Beruf darin bestehe, gleichzeitig entschlossen und sensibel zu sein. „Darin liegt die Kunst, das gibt es kaum in anderen Berufen.“ Zupacken und zuhören, den Dreck wegmachen, ohne zum Zyniker zu werden. Und nie wissen, was im nächsten Moment passiert.

Für Sabrina Lemmermann macht genau diese Ungewissheit ihren Beruf aus. Hat sie niemals Angst? „Ich würde nicht von Angst sprechen, sondern von Respekt. Denn Respekt bedeutet Vorsicht und Obacht. Angst aber impliziert auch Weglaufen, und das dürfen wir ja nicht.“ Das passt auch nicht zu ihrem Lebenslauf. Sie kann sich nicht daran erinnern, „dass ich früher mal vor irgendetwas weggelaufen bin“. Im Gegenteil. Sie war Streitschlichterin, Klassen- und Schulsprecherin. „Und ich habe schon mit sieben gesagt, ich möchte zur Polizei – und bin dabei geblieben.“

Heute ist sie eine von 1838 weiblichen der insgesamt 8146 Beamten der Schutz-, Kriminal- und Wasserschutzpolizei in Hamburg. Was sie aber weder vor verbalen noch vor körperlichen Attacken schützt. „Früher war eine Frau in Uniform für Gewalttäter oder Randalierer noch eine Hemmschwelle, das erkenne ich heute auch nicht mehr.“ Genauso erschreckend findet sie es, „dass verbale Gewalt uns gegenüber fast zur Normalität geworden ist“, während sie selbst „nie etwas persönlich nehmen darf“.

Sabrina Lemmermann neigt in ihrer ruhigen, bedächtigen Art nicht zum Dramatisieren, aber mittlerweile hat sie immer öfter das Gefühl , „dass wir der Fußabtreter der Gesellschaft sind“. Das hänge auch damit zusammen, „dass sehr viele Menschen ihre Rechte mittlerweile besser kennen als ihre Pflichten“.

Sie jammert nicht, weil sie sich sehr früh auf ihren Job, der ihr monatlich rund 2200 Euro netto einbringt, eingelassen hat. Auf ständige Schichtdienste, wenn die Tage und die Nächte auf den Kopf gestellt werden. Auf Wochenenddienste, die irgendwann dazu geführt haben, dass sie ihren Mannschaftssport bei den Fußballdamen vom FSV Harburg aufgegeben hat und dass ihr „nur noch ein kleiner Freundeskreis“ geblieben ist.

Und wenn sie einen Wunsch für das neue Jahr frei hätte? „Ich wünsche mir mehr Respekt gegenüber der Polizei und auch unter den Bürgern – aber davon sind wir momentan weiter entfernt als je zuvor.“ Dabei halten laut Abendblatt-Umfrage vom März letzten Jahres 90 Prozent der Hamburger die Polizisten für „äußerst oder überwiegend hilfsbereit und sehr bürgernah“. Keine andere Behörde schnitt besser ab. Polizeiseelsorger Rutkowsky sieht darin keinen Widerspruch. Der Polizeiberuf sei sehr angesehen, nur die Polizisten würden das kaum glauben, weil sie es hauptsächlich mit Personen zu tun hätten, die über ihre Anwesenheit nicht erfreut seien. Und weil sie wegen ihrer Tätigkeit auf der Schattenseite der Gesellschaft auch nicht mit Lob überschüttet werden.

Erfahren Sie oft Dankbarkeit? Die Frage versteht Sabrina Lemmermann diesmal sofort. Und lächelt wieder etwas hilflos.

Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) fordert eine Novellierung der Strafprozessordnung. Polizisten soll wieder erlaubt werden, Blutproben anzuordnen, wenn sie betrunkene Autofahrer erwischen.

Seit Oktober dürfen in Hamburg Blutentnahmen nur noch durchgeführt werden, wenn sie von einem Richter genehmigt wurden. Die Folge: „Die Zahl der Blutproben sank um 40 Prozent“, sagt Joachim Lenders, Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft.

Früher brachten Polizisten Autofahrer bei Verdacht auf Trunkenheit zur Wache und ließen dort von einem Arzt eine Blutprobe nehmen. Jetzt müssen sie mit dem Verdächtigen dort warten, wo sie ihn erwischt haben, bis sie über einen Staatsanwalt eine richterliche Erlaubnis für eine Blutprobe bekommen. Das dauert mindestens 45 Minuten, kann aber bis zu sechs Stunden dauern, sagt Lenders. So lange fällt die Streife für den normalen Dienst aus.

Offenbar ist vielen Polizisten dieses Verfahren zu umständlich. Verdächtige Autofahrer werden nach BILD-Informationen häufig nicht mehr angehalten, vor allem dann nicht, wenn es kurz vor Schichtende der Polizisten ist – freie Fahrt für Trunkenbolde?

Die Innenbehörde will das nicht bestätigen. Sprecher Thomas Butter gibt aber zu, dass die Zahl der Blutentnahmen stark rückläufig ist. Innensenator Ahlhaus sagt: „Ich werde das Problem mit meinen Kollegen aus den anderen Ländern besprechen. Wir müssen die Abläufe schneller und unbürokratischer gestalten. Es geht hier um die Verkehrssicherheit auf unseren Straßen. Alkohol am Steuer ist eine der Hauptursachen für schwerste Unfälle. Hier können wir uns keine Einschränkungen leisten.“

Nach BILD-Informationen hofft Ahlhaus, dass das Bundesinnenministerium eine Änderung der Strafprozessordnung veranlasst. Falls der Bund nicht aktiv werden sollte, will Ahlhaus im Senat eine entsprechende Bundesrats-Initiative beantragen.

Aktionen der linken Szene binden zu viele Beamte – Gewerkschaft: „Müssen Prioritäten setzen“ – Verkehrschaos für Freitag befürchtet

Die Belastung der Hamburger Polizei durch Aktionen der linken Szene hat mittlerweile konkrete Auswirkungen auf die Sicherheitslage. So wurden wegen der Demonstration in der Vorweihnachtszeit, der Anschläge und der in dem Zusammenhang angekündigten weiteren Gewaltaktionen bereits zwei fest eingeplante Verkehrsgroßkontrollen angesagt. Die Polizei hat nicht genügend Beamte zur Verfügung, um diese durchzuführen.

Ursprünglich sollten am Freitag an zahlreichen Kontrollstellen Fahrzeuge angehalten und kontrolliert werden. Doch für den Tag ist eine Großdemonstration unter dem Tenor „Recht auf Stadtparade“ angemeldet worden. 1500 bis 2000 Teilnehmer, so die Schätzung der Polizei, werden durch Hamburg ziehen. Darunter sollen bis zu 600 gewaltbereite Linksautonome sein.

Die Polizei wird an dem Tag mit einem Großaufgebot den Aufzug begleiten. Die Alarmhundertschaften, die sich aus den Beamten der Wachen zusammensetzen, werden aufgerufen. Es gibt ein Raumschutzkonzept, durch das die Demonstration an diesem letzten Freitag vor Heiligabend, der als einer der umsatzstärksten Tage im Vorweihnachtsgeschäft gilt, von den Weihnachtsmärkten und aus den Einkaufsstraßen ferngehalten werden sollen. Weil die Hamburger Polizei nicht genug Beamte hat, werden mindestens vier Hundertschaften aus anderen Bundesländern zur Unterstützung anrücken. Rund 2000 Polizisten werden am Freitag im Einsatz sein.

„In so einer Situation kann man nur noch Prioritäten setzen. Auch wenn Verkehrskontrollen zu einer der ganz wichtigen Aufgaben der Polizei gehören“, sagt Freddi Lohse von der Deutschen Polizeigewerkschaft.

„Hamburg wird aber deshalb für die Autofahrer keine kontrollfreie Zone sein“, sagt dazu Hauptkommissar Andreas Schöpflin. „Natürlich wird auf der Ebene der Polizeikommissariate verstärkt in dieser Zeit auf den Verkehr geachtet.“

Autofahrer können sich für den Freitag auf extreme Behinderungen im Innenstadtbereich einstellen. Die Anmelder der Demonstration wollen einen Marschweg direkt durch die City. Das lehnte die Polizei aus Sicherheitsgründen ab. Es wird befürchtet, dass diese Route genutzt wird, um Krawall zu machen. Stattdessen wurde ein Marschweg angeboten, der an der Innenstadt vorbeiführt. Welche Strecke der Demonstrationszug nehmen darf, müssen jetzt die Gerichte klären. Eine erste Entscheidung vor dem Verwaltungsgericht verzögerte sich, weil die Behörde den eigenen Bescheid zurückzog, um ihn nachzubessern. Eine Entscheidung lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Erfahrungsgemäß wird die Entscheidung ohnehin von einer der beiden Seiten angefochten, dass Oberverwaltungsgericht muss dann letztinstanzlich entschieden.

Vor Gericht wird außerdem noch über den Platz einer Kundgebung von Gegnern der Pelztiernutzung gestritten. Auch diese für den Freitag angemeldete Aktion will die Polizei aus dem direkten Innenstadtbereich heraus haben. Es wird befürchtet, dass sie sonst als Anlaufstelle für Krawallmacher genutzt wird, die anders nicht in den Citybereich kommen. Für Autofahrer wird es auf jeden Fall eng. Selbst wenn es keinen Aufzug im Kern der Innenstadt6geben wird, dürfen die Fahrzeugkolonnen der Polizei und der Ausweichverkehr für starke Behinderungen sorgen.

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, hat den Ausstieg Hamburgs aus der sogenannten „Gewalt-Studie“ kritisiert. Dabei griff er Innensenator Christoph Ahlhaus scharf an. Ihm sprach Freiberg in dem Zusammenhang die Kompetenz ab, bei der anstehenden Innenminister-Konferenz in Hamburg Vorsitzender zu werden. Gleichzeitig fordert Freiberg einen eigenen Paragrafen, der Angriffe auf Polizisten nicht nur als Angriff auf einen Menschen, sondern als Angriff auf den Staat wertet.

Mit dem Ausstieg aus der geplanten Gewalt-Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) habe sich Hamburgs Innensenator Christoph Ahlhaus in Hinblick auf die 2010 in der Hansestadt stattfindende Innenministerkonferenz disqualifiziert, ist die Meinung Freibergs. Ahlhaus könne „nur Versammlungsleiter werden, aber nicht IMK-Vorsitzender“. „Das ist ein Trauerspiel“, meint Freiberg. „Man kann nur davon ausgehen, dass die Innenminister Angst haben vor dem Ergebnis, vor der Dimension der Gewalt und vor allen Dingen vor der Anklage der Polizisten.“

Das sieht Hamburgs Innensenator ganz anders. „Die Fragestellungen in der KFN-Studie machen aber aus Polizisten Täter statt Opfer, das ist nicht hinnehmbar“, sagt Ahlhaus. „Ich befinde mich in guter Gesellschaft des Bundesinnenministers und meines Kollegen aus Sachsen.“ Nach Angaben der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), die die Studie ebenfalls ablehnt, sind nicht nur Hamburg und Sachsen, sondern auch der Bund und Nordrhein-Westfalen aus der Untersuchung ausgestiegen. „Das wird nicht das Ende sein“, sagt der Hamburger DPolG-Landeschef Joachim Lenders. „Es wird noch weitere Absagen geben.“ Ohnehin sei ihm „politisches Handeln“ lieber als lange Studien.

Innensenator Ahlhaus möchte auf „wissenschaftliche Munition“ für geplante Gesetzesverschärfungen nicht verzichten. Grundsätzlich sei er nicht gegen eine Studie. „Die muss aber so angelegt sein, dass wir eine breite Akzeptanz bei den Polizisten erreichen“, sagt der Innensenator. „Intime, sehr persönliche Fragen verletzten die Persönlichkeitsrechte der Polizisten auf unerträglicher Weise.“

Die GdP will jetzt selbst Gewaltforschung betreiben. Freiberg kündigte an, dass die Gewerkschaft notfalls eine eigene Studie initiiert, die sich mit dem Thema Gewalt gegen Polizeibeamte beschäftigt. Das ist pikant: Im Personalrat der Hamburger Polizei hatten die Vertreter der GdP noch mit gegen die Studie gestimmt, die ihr Bundesvorsitzender jetzt einfordert.

Attacke auf Polizeiwache: Jetzt 10 000 Euro für Hinweise auf Täter

Nach dem Angriff von Vermummten auf die Hamburger Polizeiwache Lerchenstraße in der vergangenen Woche hat die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) die Belohnung zur Ergreifung der Täter verdoppelt. Aus Sicht der Gewerkschaft sei dies ein zusätzlicher Anreiz dafür, dass sich Zeugen oder Mitwisser gegenüber den ermittelnden Behörden offenbarten, sagte der Hamburger Landesvorsitzende der DPolG, Joachim Lenders. Hinweise zur Tat würden nun mit 10 000 Euro belohnt. Konkrete Spuren zu den Tätern liegen den Behörden derzeit allerdings noch nicht vor, wie ein Polizeisprecher sagte.

In der Nacht zum Freitag hatten etwa zehn Unbekannte das Polizeikommissariat im Stadtteil St. Pauli mit Steinen angegriffen. Mehrere Beamte mussten sich in Sicherheit bringen. Bei dem Anschlag wurden zwei Streifenwagen sowie mehrere Fensterscheiben des Kommissariats zerstört. Verletzt wurde niemand. Vermutet wird ein linksextremistischer Hintergrund der Taten.

Nach dem Angriff war bei der „Hamburger Morgenpost“ ein Bekennerschreiben eingegangen. Darin wurde die Attacke als Racheakt für den am 6. Dezember 2008 in Griechenland vermutlich von einem Polizisten erschossenen Jugendlichen Alexandros Grigoropoulos bezeichnet.

Man befinde sich in einer „Revolte“ gegen die „Repressionsorgane“, hieß es in dem Schreiben. Die Wahl sei auf die Wache gefallen, weil diese für „Misshandlungen und rassistischen Terror“ bekannt sei. Zugleich drohten die Täter, bei einer Räumung der Roten Flora am Schulterblatt werde „ein munteres internationales Völkchen aus allen Ecken Europas für eine fulminante unvergessliche Erfahrung sorgen“.

Die Polizeigewerkschaft bezeichnete den Anschlag als „feige und hinterhältig“. „Die Gesellschaft, Politik und Bürger müssen gemeinsam zur Ächtung einer solchen massiven Gewalt beitragen, und die Täter müssen zu spüren bekommen, dass die Luft für sie jetzt dünner wird“, sagte Lenders. Der Angriff habe die Kollegen nicht nur empört. „Wir haben auch überlegt, wie es am besten gelingen kann, die Täter zur Strecke zu bringen.“

Das Landeskriminalamt hatte zu Beginn der Woche eine Belohnung von 5000 Euro für Hinweise zur Ergreifung der Täter ausgesetzt.

Bekennerschreiben nach Angriff auf Polizeiwache: Angeblich Rache für Vorgänge in Griechenland – Erneut Gewalt gegen Beamte

Nach dem gezielten Angriff auf die Polizeiwache an der Lerchenstraße ist ein Bekennerschreiben eingegangen. In dem eineinhalbseitigen Dokument übernimmt eine Gruppe namens „Koukoulofori“ die Verantwortung für die Tat. „Koukoulofori“ ist Griechisch und bedeutet so viel wie „die Kapuzenträger“ oder „die Vermummten“. Was die Sicherheitsbehörden alarmiert: Die Täter drohen mit weiteren Anschlägen.

Es ist eine weitestgehend von den üblichen politischen Floskeln frei bleibende Bekennung, die die Täter an die „Hamburger Morgenpost“ geschickt hatten. Mit dem Anschlag auf die Wache, bei der Beamte mit Steinen beworfen und Brandsätze in Peterwagen geschleudert wurden, wolle man an den Tod des Griechen Alexandros Grigoropoulos am 6. Dezember 2008 erinnern. Er war in Griechenland von Polizisten erschossen worden. Man befinde sich in einer „Revolte“ gegen die „Repressionsorgane“. Die Wahl sei auf die Wache gefallen, weil diese für „Misshandlungen und rassistischen Terror“ bekannt sei.

Bei den Sicherheitsbehörden wird das als „vorgeschobener Grund“ gewertet, mit dem die Täter eine international vernetzte Gruppe vorgaukeln wollen.

Als „zu weit weg“ wird der letzte Teil des Schreibens, in dem es um die Rote Flora geht, eingestuft. Bei einer Räumung, so die Ankündigung, werde „ein munteres internationales Völkchen aus allen Ecken Europas für eine fulminante unvergessliche Erfahrung sorgen“. Doch eine Räumung ist bislang nicht absehbar oder gar geplant. Frühestens 2011 würde dort, sollte der Eigentümer eine neue Nutzung wollen, etwas passieren.

„Hier hat sich eine neue Gruppe gebildet, die eine neue Eskalationsstufe betreten hat. Sie will sich jetzt in der Szene etablieren“, meint der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Joachim Lenders. Dafür habe man einen Anlass gesucht und ihn mit dem Vorfall in Griechenland gefunden. „Es wird vermutlich nicht das letzte Mal sein, dass aus dieser Richtung Anschläge verübt werden“, sagt Lenders.

Der SPD-Innenexperte Andreas Dressel fordert jetzt mehr Schutz für die Polizei. „Nach diesem schrecklichen Anschlag und angesichts weiterer perfider Drohungen müssen alle Schutzkonzepte für unsere Polizei schnell auf den Prüfstand“, sagt Dressel. „Der Rechtsstaat muss nach diesem abscheulichen Anschlag klare Kante zeigen. Ich hoffe, dass genügend Ermittlungsansätze bestehen, um die Täter zu fassen und konsequent zu bestrafen. Hier geht es nicht um Sachbeschädigung, das war versuchter Totschlag.“

Von diesem Vorwurf sind die Ermittlungsbehörden allerdings noch weit entfernt. Die Staatsanwaltschaft sieht in der Tat eine „Brandstiftung“ und „versuchte gefährliche Körperverletzung“. Beim Staatsschutz geht man zudem von Landfriedensbruch aus.

Derweil dreht sich die Gewaltspirale weiter. Am Wochenende griffen Besucher der Kneipe „Ahoi“ in der Hafenstraße Polizisten an, weil die einen Kokaindealer festnehmen wollten. Fahnder hatten den Schwarzafrikaner bei dem Drogengeschäft beobachtet. Danach verschwand der Täter in der Kneipe, die vornehmlich von der linken Szene frequentiert wird. „Die Fahnder nahmen den Beschuldigten in der Gaststätte vorläufig fest und wollten aus dem Gebäude gehen, als Gäste die Polizisten bedrängten und den 25-Jährigen befreiten“, schildert ein Hauptkommissar den Ablauf. Als Bereitschaftspolizisten anrückten, um die Festnahme durchzusetzen, wurden sie mit Flaschen beworfen und geschlagen. Drei Polizisten wurden verletzt. Einer der Beamten ist dienstunfähig. Der Dealer und drei Krawallmacher konnten festgenommen werden. Während der Rauschgifthändler der Ausländerbehörde überstellt wurde, kamen die Schläger wieder auf freien Fuß.

Auf der Großen Freiheit bewarfen zwei Männer Beamte mit Steinen, als die eine Überprüfung durchführten. Beide Täter, die betrunken waren, wurden festgenommen.

Gewalt eskaliert

Der Angriff traf die Polizisten der Wache Lerchenstraße am Rande des Schanzenviertels völlig unvorbereitet. In der Nacht zum Freitag lockten Vermummte die Beamten vor die Tür, sie bewarfen die ungeschützten Polizisten mit Steinen. Dann zündeten sie zwei Peterwagen an.

Der Angriff traf die Polizisten der Wache Lerchenstraße am Rande des Schanzenviertels völlig unvorbereitet. In der Nacht zum Freitag lockten Vermummte die Beamten vor die Tür, sie bewarfen die ungeschützten Polizisten mit Steinen. Dann zündeten sie zwei Peterwagen an. Ein Fahrzeug brannte aus. Politiker, Polizeiführer und Polizeigewerkschafter zeigten sich schockiert. Sie sehen mit der Tat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Joachim Lenders, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, sprach angesichts der massiven, gezielten Steinwürfe auf ungeschützte Polizeibeamte von einer Tat, bei der der Tod von Menschen billigend in Kauf genommen werde. Dass die Wache 16 Ziel von Angriffen wird, ist nicht neu. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Attacken auf das Gebäude, bei denen Scheiben zu Bruch gingen oder Peterwagen vor der Tür demoliert wurden. Zuletzt hatte es im Umfeld des sogenannten Schanzenfestes einen Angriff auf die Wache gegeben, an dem mehr als 100 Täter beteiligt waren. Damals waren nach Einschätzung der Polizei viele als „Spaßrandalierer“ bezeichnete Täter dabei. Der Angriff in der Nacht zum Freitag war eine koordinierte Aktion: In Hammerbrook brannten Autos des Zolls. Möglicherweise waren die Anschläge sogar mit gewaltbereiten Tätern in Berlin abgestimmt, die dort zündelten. Die Behörden werteten das als Radikalisierung einer immer kleiner werdenden Extremistengruppe.

Revierbeamte werden in lebensgefährliche Falle gelockt, dann brennen Peterwagen – Offenbar koordinierte Aktion

Bei dem massivsten Angriff auf Polizisten seit Jahren ist vor der Wache Lerchenstraße ein Peterwagen in Flammen aufgegangen. Die Attacke einer Gruppe Vermummter war offensichtlich Teil einer breiter koordinierten Aktion. In Hammerbrook gingen später Autos des Zolls in Flammen auf. Auch in Berlin gab es offensichtlich abgesprochene Aktionen. Die Polizei spricht von einer neuen Qualität der Gewalt.

Es waren offenbar fingierte Hilferufe, mit denen Polizisten gegen 23 Uhr aus der Wache Lerchenstraße gelockt wurden. Einen Beamten, der aus der Garage kam, empfingen die Vermummten mit einem Steinhagel. Gleichzeitig versuchte einer der Angreifer die Tür der Wache mit einem Kettenschluss zu verriegeln, durch die eine Polizistin wollte. Steine flogen in die Tür und in die Scheiben zweier Peterwagen. Dann ging ein Fahrzeug in Flammen auf. Auch der zweite Peterwagen wurde schwer beschädigt. Ein in den Innenraum geschleuderter Brandsatz zündete nicht richtig. Dann flüchteten die Täter, dabei verstreuten sie sogenannte Krähenfüße, in die anrückende Polizei- und Feuerwehrfahrzeuge fahren sollten.

Die Polizei zog Einsatzkräfte aus ganz Hamburg zusammen. Täter konnten nicht festgenommen werden.

Gegen 2.40 Uhr entdeckte eine Polizeistreife in der Sachsenstraße zwei brennende Autos. Der BMW-Kombi und der VW Polo waren im Bereich des Motors angesteckt worden. Die Fahrzeuge standen auf dem Gelände des Bundesamtes für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge. „Dieser Angriff stellt eine bisher nicht da gewesene Gewalt gegen Menschen dar, die mich fassungslos macht“, sagt Polizeipräsident Werner Jantosch. Joachim Lenders, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), spricht von einem Mordversuch. „Die Tat zeigt einmal mehr, dass billigend in Kauf genommen wird, dass Menschen schwer verletzt oder sogar getötet werden.“ Uwe Kossel, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), sprach von einem „feigen Angriff“. Innensenator Christoph Ahlhaus nannte die Tat einen „extremistischen Angriff auf unsere Demokratie“. „Von diesen hinterhältigen Taten lassen wir uns in keinster Weise einschüchtern“, so Ahlhaus. Olaf Scholz sprach von einer „erschreckenden Dimension der Gewalt“. „Erschreckend ist auch, dass sich Straftäter jetzt schon trauen, Polizeiwachen anzugreifen. Das sind Vorfälle, die wir aus Hamburg wie aus ganz Deutschland bisher nicht kennen“, sagte der SPD-Landesvorsitzende.

„Die Staatsschutzabteilung des Landeskriminalamtes arbeitet mit Hochdruck, um diese Tat so schnell wie möglich aufzuklären“, kündigt Polizeipräsident Jantosch an. Auch die GdP übt sich in Zuversicht. „Wir gehen davon aus, dass die Täter schnell gefasst werden und eine entsprechende Strafe erhalten“, sagt Uwe Koßel, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. Woher der Optimismus stammt, ist offen. Konkrete Hinweise auf die Identität der Täter gibt es nicht.

Wie wenig erfolgreich die Polizei auf dem Sektor ist, zeigt die Vergangenheit. Kaum eine der schweren politisch motivierten Straftaten durch Linksextremisten konnte aufgeklärt werden. Den Sicherheitsbehörden ist es nicht gelungen, die Netzwerke der gewaltbereiten linken Gruppen zu unterwandern. Bislang hatte man sich damit getröstet, dass autonome Kleinstgruppen die Taten verübten, die sich nach außen völlig abschotten können. Aber auch der Angriff auf die Wache Lerchenstraße während des „Schanzenfestes“, in dessen Umfeld über 100 Randalierer gezielt das Gebäude attackierten, Scheiben zerschlugen oder aufhebelten und Böller in die Wache warfen, konnte nicht aufgeklärt werden.

Angeblich kein Zusammenhang mit Etatkürzungen – Einsparungen durch Fusion von Wachen und geringere Zuschüsse für Polizeiorchester

Die Sparmaßnahmen des Senats werden den Bereich Innere Sicherheit treffen: Hauptmaßnahme wird die Zusammenlegung von Polizeikommissariaten und Feuerwachen sein, flankiert von einer Reihe kleinerer Maßnahmen, wie die WELT erfuhr. Damit wäre die Behörde aber weniger stark als andere Ressorts betroffen.

Denn Personalmaßnahmen, wie die Verlängerung der Arbeitszeit der Polizisten, sollen vom Tisch sein. Auch die Bürgernahen Beamte (BünaBe)der Polizei werden nicht in die Sparmaßnahmen mit einbezogen, wie zu erfahren ist. Dennoch soll es Veränderungen bei den Bürgernahen Beamten geben, jedoch abseits der aktuellen Sparrunde.

Schon länger plant die Polizei, das Konzept der BünaBes zu reformieren, da deren Einsatz zwar populär, aber wenig effizient sein soll. 256 Bürgernahe Beamte gibt es derzeit in Hamburg. Die Innenbehörde weiß, dass bloße Streichungen in diesem Bereich äußerst unpopulär wären. Deshalb soll für die Bürgernahen Beamten ein neues Konzept ausgearbeitet werden, dass dann losgelöst von der aktuellen Spardiskussion präsentiert wird, wie zu erfahren ist. Angeblich steht die Hälfte der 256 Stellen zur Disposition.

Seinen Sparbeitrag leisten wird dagegen das Polizeiorchester müssen, bei dem zwar keine Millionen eingespart werden können, aber doch Hunderttausende. Dieses Orchester, das nicht nur Polizisten, sondern auch fest angestellte Musiker beschäftigt, kostet rund 1,2 Millionen Euro im Jahr, bringt aber nur 30 000 Euro an Einnahmen. Hier macht der Senat die Auflage, künftig weit mehr einzunehmen, etwa durch Konzerte oder CD-Verkäufe.

Der Bereich Innere Sicherheit soll aber nicht nur von tiefen Schnitten verschont werden, weil er zu den Prioritätsbereichen des Senats gehört. Ihm zugerechnet wird, dass die Innenbehörde zusätzliche Einnahmen verbuchen kann: Aus den Rettungsdiensten fließen 15 Millionen Euro in die Kasse, die in der Sparliste gegen gerechnet werden.

Die aktuellen Sparvorschläge stehen noch unter Vorbehalt der November-Steuerschätzung. Große Änderungen sind davon aber nicht zu erwarten, wie zu erfahren ist: „Damit das Sparkonzept komplett umgeworfen wird, müsste sich bei der Steuerschätzung schon ein sehr negativer Betrag ergeben, und danach sieht es bisher nicht aus“, sagt ein Beamter.

Doch nicht alle sind davon überzeugt, dass der Sparbeitrag in der Inneren Sicherheit der Richtige ist. „Es gibt bereit zahlreiche Einsparungen die wir hinnehmen mussten“, sagt der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Joachim Lenders. Dazu gehöre die Auflösung der Präsenzschichten oder die bisherigen Wachzusammenlegungen. „Man muss sich die Frage stellen, wie die Innenbehörde den jetzt geplanten sicherheitspolitischen Offenbarungseid der Bevölkerung erklären will.“ Lenders befürchtet noch drastischere Einschnitte. Neben Schnitten bei den Bürgernahen Beamten führt er die Erhöhung der Wochenarbeitszeit an. Darin solle nach internen Berechnungen ein Sparpotenzial von 380 Stellen stecken.

Die SPD ist der Ansicht, dass die Schließung der Kommissariate schlicht falsch sei. SPD-Innenexperte Andreas Dressel fordert Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) auf, angesichts des offenbar immensen Kürzungsdrucks bei der Polizei sein „persönliches Steckenpferd Reiterstaffel“ zur Disposition zu stellen. Besser als ein „Reiterdenkmal“ sei es, Polizeistellen zu erhalten.

14 Fahrzeuge in Hamburg und zwei in Norderstedt beschädigt – Alle Feuer vermutlich von denselben Tätern gelegt

Brandstifter haben in der Nacht zum Mittwoch eine Spur der Verwüstung durch den Norden Hamburgs gezogen. In Hamm, Winterhude, Fuhlsbüttel und Langenhorn gingen elf Autos in Flammen auf. Drei weitere wurden beschädigt. Auch in Norderstedt wurden zwei Fahrzeuge angesteckt. So eine verheerende Serie von Autobränden gab es in Hamburg noch nie.

Innerhalb von einer Stunde und zwölf Minuten hatten die Täter die Brände in vier Straßen gelegt. Um 3.21 Uhr waren es ein Opel Zafira und ein Ford Mondeo, die in der Hirtenstraße in Flammen aufgingen. 33 Minuten später brannte es auf einem Hinterhof an der Bussestraße. Dort waren gleich drei Autos angesteckt worden. Während an einem Mercedes das Feuer von selbst erlosch, brannten ein Skoda und ein Citroen lichterloh. Meterhoch schlugen die Flammen. Ein VW Polo und ein Renault Clio wurden beschädigt. Zeitweise drohte das Feuer auf die um den Hof stehenden Altbauten überzugreifen.

Um 4.05 Uhr war es der Woderichweg, an dem die Brandstifter zuschlugen. Zwei Autos, ein VW Touran und ein Opel Zafira beschädigten die Täter durch Feuer. Am Holitzberg waren es gleich vier Autos, die angezündet wurden. Ein Mercedes und ein VW Passat brannten vollständig aus. Ein fünfter Wagen wurde durch Hitze und Flammen beschädigt.

Den Schlusspunkt setzten die Täter um 4.44 Uhr im Ginsterring in Norderstedt. Dort wurden zwei Autos wurden angesteckt. Ein Anwohner bemerkte die Flammen rechtzeitig. So konnte das Feuer schnell gelöscht werden.

Die Orte der Brandstiftungen liegen an einer 21,5 Kilometer langen Strecke. „Die Tatort sind aufgereiht wie auf einer Perlenkette“, sagt ein Beamter. Schon deshalb gehen die Ermittler davon aus, dass es ein Täter oder eine Gruppe ist, die mit einem Auto unterwegs war. Ungewöhnlich ist der Umfang, der auf ein geplantes Vorgehen der Täter schließen lässt.

Noch in der Nacht hatte die Polizei eine Fahndung ausgelöst. Auf der Tangstedter Landstraße stoppten Polizisten Autos, um die Insassen zu überprüfen. Diese und andere Maßnahmen brachten aber keinen Erfolg. Am Morgen schickte die Brandermittlung des Landeskriminalamtes mehrere Teams los, um Spuren an den Tatorten zu sichern.

„Es ist schon eine außerordentlich schwierige Situation für die Ermittler“, sagt der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Joachim Lenders. „Die Tatbegehensweise ist außerordentlich simpel und schnell. Die Brandstifter lassen kaum Spuren zurück. Als Polizei ist man in diesen Fällen wirklich auf Kommissar Zufall angewiesen.“

Polizeisprecher Ralf Meyer sagte: „Wir gehen davon aus, dass bei den Brandstiftungen keine politischen Motive vorliegen.“ Es seien auch keine Firmenwagen oder Luxuskarossen betroffen gewesen, so Meyer. Die Polizei versuche weiterhin, durch verstärkte Streifenfahrten Brandstifter zu fassen.

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